
Die Beziehung zwischen Arzt und Patient hat sich im Laufe der letzten zehn Jahre erheblich gewandelt. Zahlreiche, zum Teil sehr publikurnswirksame Veroffentlichungen haben das kritische Bewußtsein der Öffentlichkeit gegenüber der Ärzteschaft geschärft. Patientenschutzorganisationen wurden gegründet, die in kritischen Situationen Hilfe anbieten. Das geänderte öffentliche Bewußtsein und de Aussicht, im Streitfall kompetente Hilfe zu erhalten, haben viele Patienten ermutigt, ärztliches Handeln nicht mehr als schicksalhaft hinzunehmen und hinter den „Halbgöttern in Weiß“ Menschen zu sehen, die Fehler machen können, und die für ihre Fehler verantwortlich gemacht werden können. Diese geänderte Einsteilung vieler (wenn auch leider nicht aller) Patienten findet Ausdruck in einer ständig steigenden Zahl von Arzthaftungsfällen, mit denen die bundesdeutschen Versicherungen und Gerichte befaßt werden.
Diese notwendige und wünschenswerte Entwicklung ist allerdings nicht ohne Auswirkung auf das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient geblieben. Vielen ärztlichen Kollegen kann der Vorwurf nicht erspart bleiben, durch ihr Verhalten und ihre Einstellung gegenüber dem Patienten zur Zerstörung dieses Vertrauensverhältnisses beigetragen zu haben. Die Wiederherstellung des so notwendigen Vertrauens zwischen Arzt und Patient ist heute nur in einem offenen, partnerschaftlichen Verhältnis zwischen beiden möglich. Selbstherrliches und bevormundendes Verhalten von Ärzten sollte bald genauso der Vergangenheit angehören wie die kritiklose Unterwerfung des Patienten unter den Willen des Arztes.
Ein partnerschaftliches Verhältnis zwischen Arzt und Patient setzt voraus, daß beide Partner ihre Rechte und Pflichten kennen. In diesem Sinne wünschen wir dem vorliegenden Buch eine möglichst weite Verbreitung nicht nur in der Patientenschaft, sondern auch und gerade unter ärztlichen Kollegen.
Christian Zimmermann / Dr. Niels Auhagen Präsidiumsmitglieder des Allgemeinen Patientenverbandes (apv)
aus: Klaus Malek / Rainer Endriß: Patientenrechte, Dreisam Ratgeber Recht
Die Politiker sind meist mit den Problemen unseres Medizinbetriebs überfordert und erkennen die eigentlichen Ursachen der Misere unseres Gesundheitswesens nicht. Ein außeruniversitäres "Forschungszentrum für Medizinschäden" könnte mit weiteren Maßnahmen Abhilfe schaffen.
Die Durchsetzung von Patientenrechten war in Deutschland schon immer ein Problem. Die Justiz hat zwar Verbesserungen herbeigeführt, beschränkt sich auf die Bewertung individuellen Verschuldens, ohne die systembedingten Ursachen zu erkennen, welche in der Folge die Ärzte erst zum Fehlverhalten verleiten. Hier muß deshalb durch gesundheitspolitische Maßnahmen Abhilfe geschaffen werden, um das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient zu erhalten oder wiederherzustellen.
Der Segen eines sachgerechten ärztlichen Wirkens ist unbestritten. Aber 25 000 Medizintote bei 100 000 Medizinschäden pro Jahr durch ärztliche Behandlungsfehler und steigende Defizite in Milliardenhöhe beweisen aber, daß unser Gesundheitswesen krank ist und einer grundlegenden Therapie bedarf. Dazu finden sich die Politiker jedoch nicht bereit. Sie sind bisher stets „als Tiger gesprungen und als Bettvorleger gelandet“, stolpern von Notlösung zu Notlösung und belassen es bei einer symptomatischen Behandlung, statt die Ursachen der Misere zu beseitigen.
Die Ursachen liegen in gemeingefährlichen, reaktionären Strukturen. Die Organisation unseres Medizinbetriebs entspricht weder den Bedürfnissen der Bevölkerung noch den Anforderungen an ein modernes Gesundheitswesen.
Die „Flucht in die Privatisierung“ ist keine Lösung und wird auch insgesamt die finanziellen Probleme unseres Medizinbetriebs auf Dauer nicht lösen. Das beweisen internationale Beispiele: das Gesundheitswesen der USA ist das weitesten privatisierte und das weltweit teuerste. Wir brauchen weder ein verstaatlichtes noch ein privatisiertes sondern ein vergesellschaftetes Gesundheitswesen, bei dem durch Gesundheitskonferenzen alle Akteure einschließlich der Patienten die Bedingungen der Gesundheitsversorgung bestimmen. Das haben die meisten Politiker noch nicht begriffen.
Die Politiker lassen sich schon seit Jahren und Jahrzehnten insbesondere von den Ärztefunktionären vorführen und haben deren Propaganda, daß wegen der Überalterung der Bevölkerung und wegen des medizinischen Fortschritts „mehr Geld ins System“ kommen und es teuerer werden müsse, derartig verinnerlicht, daß ihnen das kritische Denkvermögen vielfach abhanden gekommen ist. Richtig ist vielmehr, daß in unserem Medizinbetrieb ein sinnvolles (!) Einsparvolumen von bis zu 70 Milliarden € vorhanden ist und der Realisierung hart, um es für sinnvolle Gesundheitsleistungen bereit zu stellen..
Die hilflosen Versuche der Politiker, durch das jetzige Fond -Modell oder die früheren Versuche durch Zuzahlungen - wie die Praxisgebühr - und Leistungsausgrenzungen - wie den Zahnersatz und das Krankengeld - die Kosten in den Griff zu bekommen, belegen, daß sie die eigentlichen Probleme unseres Medizinbetriebes nicht erkannt haben.
Abwegig sind auch die Vorstellungen, im wesentlichen durch eine Verbreiterung der Finanzbasis eine Lösung erreichen zu können. Zwar ist es richtig, daß die Einnahmen der Krankenkassen insbesondere durch die hohe Arbeitslosigkeit, durch den Rückgang der versicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse und durch das Absinken der Lohnquote wegbrechen und daß die Kosten unseres Gesundheitswesens im Verhältnis zum Brutto-Inlands-Produkt (BIP) nicht wesentlich gestiegen sind, aber durch die finanziellen Defizite ist erst die Verschwendung im Medizinbetrieb sichtbar geworden. Ohne finanziellen Druck wird es nie zu den notwendigen Strukturreformen kommen, um die schon seit Jahrzehnten bestehende Verschwendung zu beseitigen.
Unser Gesundheitswesen weist zweifellos ein ganzes Bündel von Problemen sowohl auf der Ausgaben- als auch auf der Einnahmeseite auf. Das Hauptproblem ist aber - sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich - eine enorme Verschwendung durch Pfusch, Korruption, Pharma-Chaos, überbordende Bürokratie und unsachgemäße ärztliche Maßnahmen zum Zweck der Honorarsteigerung . Die Gelder der Patienten bzw. der Versicherten werden in vielen Bereichen „mit vollen Händen zum Fenster hinausgeworfen“. Wenn aber gespart werden muß, so sollte an der richtigen Stelle sinnvoll (!) gespart und zunächst die Verschwendung in unserem Medizinbetrieb beseitigt werden.
Mit der Durchsetzung eines Stopps der Verschwendung ließe sich nicht nur die finanzielle Misere unseres Medizinbetriebs durch sinnvolle Einsparungen von bis zu 70 Milliarden € pro Jahr rasch und dauerhaft beheben, sondern auch die Sicherheit der Patienten durch Vermeidung unnötiger und fehlerhafter Behandlungen wesentlich steigern. Wir müssen sinnvoll sparen! Sparen wir uns deshalb den überflüssigen Ärztefunktionärs- und den demokratisch nicht legitimierten Chefarztklüngel in unserem Medizinbetrieb, der die notwendigen Reformen blockiert und die Mißstände aufrechterhält. Sparen wir uns die vielfach noch „mittelalterlich-feudalistischen“ Strukturen und ersetzen wir sie durch ein modernes Gesundheitswesen!
Werden die Mißstände unseres Medizinbetriebs nicht beseitigt, finden nachfolgende Patienten unveränderte Verhältnisse vor und weitere Behandlungsfehler sowie weitere Verschwendung sind vorprogrammiert. Um die Patientenschädigungen und -tötungen zu verhindern und die Verschwendung im Medizinbetrieb zu stoppen; stellen wir deshalb folgende gesundheitspolitische Forderungen auf:
1. Einrichtung eines Forschungszentrum
für Medizinschäden2. Entmachtung der Ärztefunktionäre
durch Gesundheitskonferenzen3 . Arzthonorar nach Ergebnis,
nicht nach Aufwand4. Kollegiale Leitung statt Chefarzt-System
5. Ambulanzen an die Kliniken
6. Pharma-Chaos beenden
7. Krankenkassen auflösen
8. Medizinerausbildung zur Partnerschaft
mit Patienten
Mit der Durchsetzung dieser Forderungen könnten die größten Mißstände unseres patientenfeindlichen Medizinbetriebes beseitigt werden. Das Gesundheitswesen ist einer der wichtigsten Bereiche unserer Gesellschaft.
Wir fordern deshalb alle Patienten auf:
Mischen Sie sich in Ihre eigenen Angelegenheiten ein! Unterstützen Sie unsere Forderungen! Sie werden sicher schon einmal gemerkt haben, daß sich ein Vorhaben umso leichter durchsetzen läßt, je mehr Menschen sich an seiner Verwirklichung beteiligen.




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